Winterpaddeln – Eine Gebrauchsanweisung

Ich dachte immer im Winter paddelt doch keiner. Wenn ich mir jedoch anschaue, wie viele Neoprenhandschuhe und Paddelpfötchen wir im Laden verkaufen, können das gar nicht so wenige  Paddler sein, die es auch in der kalten Jahreszeit mit ihrem Kanu oder Kajak aufs Wasser zieht.

Feldstudien und Grundgedanken

Wirklich erstaunt bin ich dann immer, wenn es am ersten Januarwochenende zur Celler Eisfahrt geht. Eine kleine, unspektakuläre Paddelausfahrt auf der Aller, zu der die Celler Vereine einladen. Über 60 Paddler  wurden dieses Jahr gezählt! Wohl gemerkt, wir sprechen hier von einer Veranstaltung mit einem Einzugsbereich von vielleicht 30 km! Zugegeben, die Region Celle ist reich an Kanuvereinen und aktiven Paddlern aber diese große Zahl an Winterpaddlern überrascht mich jedes Jahr aufs Neue.winter-paddeln

Grund genug für mich, mir mal ein paar Gedanken über das Paddeln im Winter zu machen und diese seltsame Spezies des gemeinen Winterpaddlers genauer zu betrachten. Was sind das also für Menschen, die bei Minusgraden, beißendem Wind und vereisten Steganlagen ihren Hintern vom heimeligen Sofa lüften und in ein kaltes Kanu pflanzen? Nun ja, es  sind meist Sterbliche wie du und ich. Auch sie frieren, können nass werden und erkälten sich. Der Unterschied ist dieser: Der Paddelvirus hat sie mal so richtig erwischt. So sehr, dass sie eben nicht 4 Monate lang die Arme stillhalten können. Leidenschaft, die Leiden schafft. Was soll`s? Is halt so! Der Winter ist nun mal kalt und nass aber wenn dich der Fluss ruft, kannst du nicht ruhig auf dem Sofa sitzen und einen Bachblütentee mit Biohonig trinken. Wenn es dich gepackt hat, musst du raus!

Das kleine Einmaleins des Winterpaddelns

So weit so gut. Der Wille ist also da, was brauche ich noch um Winterpaddler zu werden? Die richtige Bekleidung! Schließlich gilt ja: Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung. (Ok, 5€ ins Phrasenschwein.) Das gute alte Zwiebelprinzip ist beim Paddeln sehr zu empfehlen. Als Basisschicht auf dem Körper eignet sich hervorragend Polartec-Material. Leicht, atmungsaktiv, warm und schnell trocknend sorgt es für gutes Körperklima. Darüber gerne eine oder mehrere Wärmeschichten, z.B. aus Fleece. Als Abschluss kommt die Wetterschicht. Eine gute Paddeljacke mit dichten Armbündchen und Kapuze schützt vor Wind und Wetter. Die Füße nicht vergessen! Da die Beine beim Paddeln eher rudimentär gebraucht werden, dementsprechend weniger durchblutet und somit gewärmt werden, wird es schnell kalt an den Füßen. Da helfen dicke Socken aus Neopren und notorisches Zehenwackeln.  Damit sich die Hände nicht schon nach zwei Minuten wie Baggerschaufeln anfühlen kommen jetzt die schon angesprochenen und sehr beliebten Paddelpfötchen in allen Varianten zum Tragen. Leicht und dünn oder aufwendig und komfortabel. Es gibt sie aus Neopren oder Nylon, mit und ohne Fleecefutter. Da ist einfach für jeden das richtige Paar dabei. Dicke Mütze auf den Kopf, Schwimmweste angelegt und los geht`s. Gerade auf die Schwimmweste darf man natürlich, gerade bei eisigen Wasser- und Lufttemperaturen nicht verzichten!

Entschleunigung und Ruhe

Was erwartet mich dann auf dem Wasser? Meist zwei Dinge. Hochwasser und Einsamkeit. Ist das Erstere eher lästig, da es das Anpaddeln gegen die Strömung immens erschwert, ist das Zweitere meist ein Segen und bedeutet pure Entspannung. Aber man muss sich natürlich auch im Klaren sein, dass der Weg hier das Ziel ist. Beim Winterpaddeln geht es um das Paddeln an sich und nicht um Genuss im Sinne von landschaftlicher oder natürlicher Vielfalt und Abwechslung. Die Bäume und Sträucher am Ufer sind kahl, kein Vogel zwitschert vor sich hin und generell kann das Wetter ungemütlich, grau und trist sein. Also nichts für Leute mit trübem Gemüt. Dann vielleicht doch lieber Bachblütentee.

Unterm Strich

Fassen wir das nochmal zusammen. Will ich Winterpaddler werden brauche ich: Leidenschaft, Gute Bekleidung und Selbstgenügsamkeit. Das brauche ich nicht beim Paddeln im Winter: Sonnencreme, den Brockhaus in 15 Bänden und Bachblütentee.

 

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5 Comments

  • Sehr schöne Gebrauchsanweisung. Stelle ich mir schon toll vor, so etwas im Winter zu machen, obwohl ist doch auch ganz schön kalt werden kann.

    Reply
  • Landschaft beim Winterpaddeln?! Oft viel schöner als im Sommer. Wo im Sommer Büsche und Bäume die Sicht versperren hat man nun frei Rundumsicht.
    War vor ein paar Jahren auf der Örze bei leichtem Hochwasser – die Aussichten waren toll (bin vor fast 30 Jahren manchmal dort gepaddelt, jetzt in Bayern zu Hause!)
    Im Winter sehe ich ander Vögel als im Sommer!
    Also los aufs Wasser – auch im Winter mit der entspechenen Erfahrung (ich nehme keine Anfänger mehr mit!!!) und Ausrüstung
    empfiehlt
    Georg

    Reply
  • Hochwasser ist doch toll. Endlich kann man auch kleinere Bäche paddeln- deshalb paddel ich doch! Bibbernd sich umzuziehen und sich jedesmal zu fragen, weshalb ich das nur mache um hinterher breit grinsend seinen (Bachblüten) Tee zu schlürfen und zu wissen deshalb! Eiszapfen am Helm oder ein Eispanzer auf der Jacke haben auch seinen reiz und trübes Winterwetter vertreibt ein trübes Gemüt.
    Gute Ausrüstung ist dabei sehr wichtig und man sollte wissen was man tut (schwimmen ist dann nicht angesagt). Viel Spaß!
    sanne

    Reply

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